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Frästisch für die Mafell Erika

Einleitung
Der Bau
Tischplatte
Fräsanschlag
Fräshaube
Sicherheit
Das Ergebnis
Einleitung down

Nachfolgend zeige ich den Bau eines Frästisches, der in die Tischverbreiterung der Mafell Erika integriert ist. Mein erstes Projekt zum Erika-Tuning war dieser Stichsägetisch. Ihm folgt nun der Frästisch. Er soll in diese Lücke montiert werden können:

Fraestisch

Hier die wichtigsten Eigenschaften des Frästisches:

  • Die Fräser können von oben gewechselt werden.
  • Der Tisch besitzt eine Fräshöheneinstellung, die von oben zugänglich ist und schnell und präzise ist.
  • Der Fräsanschlag kann links oder rechts von der Oberfräse montiert werden.
  • Der Fräsanschlag besitzt eine Feineinstellung (vom Parallelanschlag der Erika).
  • Die Fräsplatte kann zur leichteren Montage/Demontage der Oberfräse aus dem Frästisch werkzeuglos herausgenommen werden.
  • Es kann eine Fräshaube montiert werden.
  • Die Anschlagbacken sind aus Aluminium und verfügen über Nuten zum Befestigen von weiteren Anschlägen oder Anpressvorrichtungen.
  • Der Längsanschlag der Erika kann genutzt werden (natürlich nur wenn sich der Fräsanschlag rechts von der Oberfräse befindet).

Als Oberfräse kommt die Festool OF 1400 EBQ zum Einsatz.

Der Bau up down

Tischplatte

Zur Befestigung der Oberfräse habe ich mir eine Fräsplatte ausgesucht, bei der mir neben der Stabilität zwei weitere Eigenschaften besonders wichtig waren:

  • Die Platte sollte groß genug sein, um neben der Oberfräse auch noch eine Höhenverstellung direkt auf der Platte unterzubringen.
  • Die Fräseröffnung sollte so groß sein, dass man von oben an die Spannzange zum Fräserwechsel herankommen kann.

Und so sieht die Platte aus:

Fraestisch

Die zwei Einlegeringe erlauben Fräseröffnungen von 31, 68 und 98 mm Durchmesser. Die Niveauregulierung erfolgt über Madenschrauben. Unter den Madenschrauben werden starke Magnete in die Tischplatte eingelassen, auf denen die Madenschrauben dann aufliegen. Die Platte ist aus Aluminium und 6 mm dick.

Als Höheneinstellung für die Oberfräse habe ich einfach die vom Festool Fräsmodul CMS-OF verwendet. Die Teile wurden über den Ersatzteil-Service von Festool besorgt, die Fräshaube wurde gleich mitbestellt:

Fraestisch

Trockenübung: Oberfräse und Höheneinstellung passen tatsächlich auf die Platte.

Fraestisch

Dann kann es ja mit dem Bohren losgehen:

Fraestisch Fraestisch

Die Oberfräse wird über zwei Schrauben mit der Fräsplatte verbunden.

Vom Bau der Tischplatte habe ich keine Bilder, aber im Prinzip ist sie identisch zu der des Stichsägetisches. Ich habe leider nur eine 21 mm starke Siebdruckplatte bekommen, ein paar Millimeter mehr wären mir lieber gewesen. Die Tischplatte sitzt aber sehr stabil in der Tischverbreiterung der Erika, so dass dies kein wirkliches Problem ist. Zur Not könnte man sie auch noch verstärken.

Die Aussparung für die Fräsplatte ist mittels 30 mm Kopierring und 10 mm Nutfräser hergestellt worden. Als Frässchablone habe ich einfach schmale Holzbrettchen mit doppelseitigem Klebeband auf der Tischplatte befestigt. Das hat schon beim Stichsägetisch sehr gut funktioniert. Diesmal leider nicht so ganz. Vermutlich habe ich ein Brettchen nicht fest angedrückt. Beim ersten Fräsdurchgang ist mir dieses dann leicht verrutscht. Im vierten Bild sieht man in der oberen Kante eine kleine Aussparung, da ist es passiert. Zum Glück habe ich im ersten Durchgang nicht mal einen Millimeter weggefräst, so dass der Schaden nur oberflächlich ist. Wieder etwas gelernt. Lieber mehr Zeit in eine vernünftige Schablone investieren, als eine schnelle Bastellösung.

Fraestisch Fraestisch Fraestisch Fraestisch

Der Rest wurde mit der Stichsäge ausgesägt.

Fraestisch

Und noch die letzten Unebenheiten mit einem kleinen Grundhobel beseitigen:

Fraestisch

Der Steg ist um ca. 5/10 Millimeter tiefer als die Fräsplatte dick ist. Über die Madenschrauben der Fräsplatte kann diese um bis zu mehrere Millimeter angehoben und so eingestellt werden, dass sie bündig mit der Tischoberseite abschließt.

Im Bereich des Sockels der Höheneinstellung muss vom Steg noch ein klein wenig weggenommen werden:

Fraestisch

Die Fräsplatte kann mit montierter Oberfräse und Höheneinstellung eingesetzt bzw. entnommen werden. Das hat den Vorteil, dass man die Oberfräse bequem an die herausgenommene Fräsplatte montieren kann, man muss dazu nicht unterm Tisch herumhantieren.

Fraestisch Fraestisch Fraestisch

So wie die Fräsplatte im nachfolgenden Bild eingesetzt ist, sollte sich der Fräsanschlag links befinden, damit die Höheneinstellung zugänglich ist und nicht vom Fräsanschlag verdeckt wird. Man kann die Fräsplatte auch anders herum einsetzen, wenn man den Fräsanschlag auf der rechten Seite haben möchte. Hier ist man also flexibel.

Fraestisch

Kurbel, kurbel, die Fräshöheneinstellung funktioniert super. Auch klasse, man kommt zum Fräserwechsel gut an die Spannzange heran:

Fraestisch

Die Befestigung der Fräsplatte ist aber noch nicht fertig. Es müssen noch die Magnete in die Tischplatte eingelassen werden und - dazu gleich mehr - die Fräsplatte muss noch befestigt werden. Zunächst zu den Magneten:

Fraestisch Fraestisch Fraestisch

Mittels der Madenschrauben kann jetzt die Fräsplatte exakt auf die Oberkante der Tischplatte ausgerichtet werden:

Fraestisch

Die Platte soll wohl von den vier starken Magneten unter den Madenschrauben gehalten werden. Oder welchen Sinn haben sonst diese Magnete? Eine Bedienungsanleitung lag leider nicht bei, oder ich habe sie nicht gefunden. Die Fräsplatte habe ich in England bestellt weil in Deutschland diese Platten häufig nur schwer erhältlich sind (verblüffend, sie kam am zweiten Tag nach der Bestellung schon bei mir an). Im Prinzip könnte man sie auch in Deutschland kaufen, falls sie gerade lieferbar ist. In der dortigen Bedienungsanleitung wird die Fräsplatte zusätzlich verschraubt. Die Fräsplatte hat dazu aber in Deutschland auch entsprechende Löcher in den Ecken vorgesehen. Die "englische" Version von mir jedoch nicht.

Die Aussparung für die Fräsplatte habe ich zunächst so bemessen, dass die Fräsplatte streng sitzt. Horizontal ließ sie sich also nicht bewegen. In diese Richtung würden die Magnete auch nicht halten. Hätte die Platte horizontal Spiel, so würde sie sich beim Fräsen trotz der Magnete hin- und herbewegen, was nun wirklich nicht gut wäre. Hebt man die Platte an, braucht man aber schon einiges an Kraft, um sie von den Magneten wegzubringen.

Obwohl dies einen stabilen Eindruck macht und die Platte eigentlich fest sitzt, habe ich hier eine Änderung vorgenommen und die Platte zusätzlich verschraubt. Aus zwei Gründen:

  • Ich hatte einfach kein gutes Gefühl dabei, wenn die Fräsplatte nicht absolut fest mit dem Tisch verbunden ist. Sollte sich mal der Fräser irgendwie irgendwo fressen und sich die Fräsplatte lösen, bestünde eine erhebliche Verletzungsgefahr.
  • Wenn die Siebdruckplatte wegen Schwankungen in der Luftfeuchte arbeiten sollte - wenn auch nur sehr gering - und die Fräsplatte hätte kein Spiel, würde sich etwas verformen; Tischplatte oder Fräsplatte oder beides...

Ich habe daher die Aussparung etwas vergrößert, so dass die Fräsplatte im Tisch etwas Spiel hat und die Fräsplatte am Tisch über M4-Senkkopfschrauben befestigt. Flügelmuttern erlauben das Lösen bzw. Festziehen ohne Werkzeug. Man kann die Fräsplatte zwar nicht so einfach entfernen wie im Zustand ohne Schrauben, aber Sicherheit geht hier vor. Die Bilder sind noch ohne diese Schrauben.

Fräsanschlag

Als nächstes wurde der Fräsanschlag gebaut. Ich hatte das Vergnügen, ihn zweimal bauen zu "dürfen". Beim ersten Mal habe ich versucht, die Verbindungen mit Leim und Schrauben herzustellen. Also Leim aufgeben und dann gleich fest verschrauben. Durch die feste Verschraubung ist das Korrigieren des Winkels aber nur mit brachialer Gewalt durch sehr fest zugedrehte Zwingen zu bewerkstelligen. Das gefiel mir nicht so ganz.
Also habe ich noch einen Versuch gestartet, diesmal mit Lamellos. Hier war das Ausrichtung des Anschlagwinkels durch Zwingen schon leichter möglich. Das ging sehr gut und sehr präzise. Aber eines nach dem anderen...

Beim Ausschneiden der Aussparungen in der Bodenplatte und im Anschlag kam zum ersten Mal der Stichsägetisch so richtig zum Einsatz.

Fraestisch Fraestisch Fraestisch

Die Nuten für die Lamellos werden hergestellt:

Fraestisch

Vor dem Verleimen alles probeweise zusammenzubauen hilft, unangenehme Überraschungen während des Leimens zu vermeiden:

Fraestisch

Hier werden Bodenplatte und Anschlag verleimt. Über die Presskraft und Position der Zwingen läßt sich der Winkel zwischen den beiden Brettern sehr gut einstellen. Eine helle Lichtquelle - hier eine Stirnlampe - hilft, Ungenauigkeiten zu erkennen (Lichtspalttest).

Fraestisch Fraestisch

Die Anschlagbacken habe ich aus einem ein Meter langen Aluminiumprofil zugeschnitten, das es recht günstig zu kaufen gibt. Es hat genügend Nuten, um alles Mögliche an allen möglichen Positionen zu befestigen. Es hat aber auch zwei Nachteile:

  • Man braucht spezielle Nutsteine. Der Sechskantkopf einer M6-Schraube oder eine M6-Mutter passen leider nicht.
  • Auch in dem Bereich, in dem typischerweise das zu fräsende Werkstück an den Anschlagbacken anliegt, verlaufen ein, zwei Nuten. Das ist an sich kein Problem. Aber je nachdem welches Profil man fräst, könnte es sein, dass das verbleibende Material genau in so eine Nut passt. Das Werkstück würde dann nicht mehr von der hinteren Anschlagbacke geführt.
Fraestisch

Eine erste Kontrolle, ob die Anschlagbacken passen. Hier sind sie noch provisorisch mit Zwingen fixiert.

Fraestisch Fraestisch

Paßt, damit kann man wirklich leben.

Hier sieht man einen Nutstein. Pro Anschlagbacke habe ich zwei Befestigungspunkte vorgesehen. Auf dem Bildern ist nur jeweils einer zusehen, da mir gerade die Sternknöpfe ausgegangen waren.

Fraestisch Fraestisch

Hier sieht man die Klappe für die Staubabsaugung:

Fraestisch

Das Loch für den Schlauch fehlt noch. Das sind genau die Arten von Arbeiten, bei denen ich mir schon so oft einen Stichsägetisch gewünscht hatte. Aber jetzt habe ich ja einen ;-). Diesmal ist er an der Werkbank montiert:

Fraestisch Fraestisch Fraestisch Fraestisch

Den Fräsanschlag habe ich am Parallelanschlag der Erika befestigt. Dessen Feineinstellung kann so auch für den Fräsanschlag genutzt werden. Die beiden Leisten, über die der Fräsanschlag am Parallelanschlag befestigt wird, sind leicht schräg gestellt, so dass der Fräsanschlag flächig gegen den Tisch gedrückt wird.

Fraestisch Fraestisch Fraestisch

Ein wichtiges Sicherheitselement bei einem Frästisch ist der Nullspannungsschalter (Sicherheitsschalter). Er verhindert das selbsttätige Wiederanlaufen des Fräsers nach einem Stromausfall. Neben dem Plus an Sicherheit bietet so ein Schalter zudem mehr Komfort, weil man zum Ein-/Ausschalten der Oberfräse nicht den schwerer zugänglichen Schalter an der Oberfräse betätigen muss.

Fraestisch Fraestisch

Tischplatte und Fräsanschlag sind fertig. Jetzt kann alles zusammengesetzt werden. Zunächst die Tischplatte einsetzen:

Fraestisch

Dann die Tischverbreiterung der Erika einsetzen:

Fraestisch

Alles festschrauben:

Fraestisch

Fräsplatte mit montierter Oberfräse und Höheneinstellung einsetzen:

Fraestisch Fraestisch

Noch den Fräsanschlag montieren und der Mafell-Festool-Frästisch ist einsatzbereit:

Fraestisch Fraestisch Fraestisch

Fräshaube

Wie eingangs schon erwähnt, habe ich mir Fräshaube inkl. Absaugstutzen vom Festool-Ersatzteilservice besorgt. Die Anschlagleiste baute ich mir aus Bucheresten aber selber. Warum ich die Anschlagleiste nicht gleich mitbestellt habe? Ganz einfach, ich wollte unbedingt nochmal mit dem Stichsägetisch etwas machen ;-)

Fraestisch Fraestisch Fraestisch Fraestisch Fraestisch Fraestisch Fraestisch
Sicherheit up down

Ich möchte noch ein paar Worte bezüglich Sicherheit verlieren.

Falls jemand einen Frästisch baut, muss er sich natürlich selber erkundigen, wie man einen Frästisch so baut, dass er dem aktuellen Stand der Technik bezüglich Arbeitssicherheit entspricht. Und natürlich wie man damit sicher arbeitet.
Dazu gehört unter anderem der Nullspannungsschalter und auch, dass alle Teile so befestigt sein müssen, dass sie sich nicht während der Fräsarbeiten lösen können (ich habe wie oben erwähnt deshalb die Fräsplatte mit der Tischplatte verschraubt). Das ist alles im Detail aus offen zugänglichen Quellen in Erfahrung zu bringen (z.B. bei der zuständigen Berufsgenossenschaft). Darum, und weil ich nicht das Fachwissen dazu habe, gehe ich hier nicht näher auf das allgemeine Thema Sicherheit beim Frästisch ein.

Auf ein spezielles Sicherheitsrisiko möchte ich aber eingehen, da es nur im Zusammenhang damit entsteht, dass beide Maschinen, die Oberfräse und die Tischkreissäge, getrennt von einander eingeschaltet werden können: Man kann den Einschalter verwechseln und so die falsche Maschine einschalten. Dieses Risiko und die daraus resultierende Verletzungsgefahr läßt sich durch folgende Maßnahmen verringern bzw. ausschließen:

  • Eine große räumliche Trennung der beiden Ein-/Ausschalter würde das Risiko einer Verwechslung deutlich reduzieren. So wie ich den Nullspannungsschalter plaziert habe ist das kein Vorbild.
  • Immer nur eine Maschine an das Stromnetz anschließen. Das ergibt sich bei mir zwangsläufig, weil ich beide Maschinen über einen Werkstattsauger betreibe, der nur einen Netzanschluß bietet. Die Kabel der Maschinen reichen außerdem nicht bis zu einer Wandsteckdose. Es ist also nur eine Steckdose verfügbar.
  • Was man ohnehin machen sollte, egal ob ein Frästisch in eine Tischkreissäge montiert ist oder nicht: Der Tisch soll frei bleiben. Er darf nicht als Ablegestelle für alles Mögliche genutzt werden. Hält man sich daran, fliegen einem auch nicht Schraubenzieher, Stemmeisen, Eisenhobel oder Werkstücke entgegen, wenn man - wie und warum auch immer - doch mal den verkehrten Einschalter erwischt.
  • Auch das gilt immer, egal ob mit oder ohne Oberfräse in der Tischkreissäge, aber hier besonders: Andere Personen haben im Gefahrenbereich (Sägeblatt, Fräse) nichts zu suchen.
Das Ergebnis up

So harmonisch nimmt Mafell Festool auf ;-)

Fraestisch Fraestisch

Zum Frästisch selber kann man eigentlich nicht viel sagen. Er ist flexibel einsetzbar, stabil, im Winkel und ausreichend groß. Somit kann man damit alles machen, was ein Hobbyschreiner typischerweise mit einem Frästisch eben macht.

Entfernt man den Fräsanschlag, hat man die gesamte Tischfläche wieder für die Erika zur Verfügung. Der Frästisch selber kann eingebaut bleiben. Ein Wechsel zwischen Säge und Fräse ist so ganz einfach und schnell möglich.

Was mir noch fehlt sind Niederhalter und Anschläge. Diese werde ich mir bei Bedarf selber bauen und ggf. dann hier darüber berichten.

Einen Längsanschlag im Frästisch habe ich bisher noch nie gebraucht. Falls in Zukunft doch mal, hätte ich folgende Möglichkeiten:

  • Eine Nut in den Frästisch einlassen, um einen Anschlag darin führen zu können. Ich habe dazu rechts von der Fräsplatte extra Platz gelassen, um bei Bedarf eine Nut nachträglich anbringen zu können.
  • Einfach den Längsanschlag der Erika benutzen. Ob das stabil genug ist wird sich zeigen, da das Werkstück vom Schiebeschlitten doch recht weit entfernt ist.
  • Ein breites Brett entlang der vorderen Anschlagbacke führen, an dem das eigentliche Werkstück anliegt.
Es bleibt also Raum für Erweiterungen...